Lost in EUrope

Der EU-Blog aus Brüssel

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    Rette sich, wer kann!

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    Nichts wie raus aus Griechenland!?

    Nach der Rettung ist vor dem Untergang: So ließe sich die Reaktion vieler Beobachter auf das zweite "Rettungspaket" für Griechenland zusammenfassen. Denn zum einen ist die nun beschlossene Umschuldung noch lange nicht in trockenen Tüchern; Athen kann deshalb immer noch pleite gehen. Und zum anderen wird die Schuldenlast nicht wirklich abgebaut - sie könnte sogar noch steigen, wie selbst die Experten der internationalen Troika einräumen.

    Die Retter sind müde. Mehr als ein „das kann man gut verantworten“ war Bundesfinanzminister Schäuble nach dem 14-stündigen Brüsseler Verhandlungsmarathon zur Stützung Griechenlands nicht zu entlocken. Von „Rettung“ wollte der deutsche Kassenwart ebenso wenig reden wie Eurogruppenchef Juncker. Nur EU-Währungskommissar Rehn sprach von einer "beispiellosen Solidarität der Euro-Partnerstaaten". 

    130 Milliarden Euro soll Athen nun erhalten, um die im März drohende Staatspleite abzuwenden. Dazu kommt ein Forderungsverzicht in Höhe von 107 Mrd. Euro der privaten Gläubiger. Doch die damit verbundene Umschuldung ist noch nicht in trockenen Tüchern - erst Mitte März wird man wissen, ob sich genug Banken beteiligen. Und ob das zweite Hilfspaket das schafft, woran das erste scheiterte - Griechenland dauerhaft zu stabilisieren -,  steht in den Sternen.

    Die meisten Beobachter sehen den neuen Deal (hier der Wortlaut der Eurogruppen-Erklärung) überaus kritisch. "Viele Ökonomen sind skeptisch", meldet "Spiegel online". Schon im Herbst könne eine neue Umschuldung nötig werden. "Wahnsinn ohne Ende", ärgert sich der Blog Querschüsse. Das Problem der mangelnden Leistungsfähigkeit der Wirtschaft sei weiter ungelöst. "There will be blood", fürchtet das "Social Europe journal" - das Hilfspaket werde die Krise weiter verschärfen und könne sogar einen Militärputsch auslösen. 

    Interessant ist auch die Frage, ob sich genügend Banken an der Umschuldung beteiligen, oder ob die Regierung in Athen zu Zwangsmitteln greifen und "CAC"s einführen muss. Diesen und anderen ungelösten Problemen geht "zerohedge" nach. 

    Am spannendsten ist aber die bislang geheim gehaltene Schuldenanalyse der Troika, die mitten in den Verhandlungen der Eurogruppe  durchsickerte. Ich habe gestern bereits daraus zitiert. Die wichtigsten Details liefert die britische FT, der Originaltext steht hier. Folgt man dieser Analyse, geht der "Schulden-Alptraum" (FT) munter weiter.

    Sollte sich die Konjunktur in Griechenland weiter schlecht entwickeln - und nichts spricht dafür, dass sich das ändert - könnte der Schuldenstand auch 2020 noch bei 160 Prozent liegen, genau wie heute. Dann wäre die ganze „Rettung“ umsonst gewesen, und die Euro-"Retter" müssten wieder von vorne anfangen.

    Vermutlich würde Schäuble & Co. aber schon vorher der Kragen platzen. Schon diesmal hätte er einen "ordentlichen" Bankrott der nun wieder verschleppten Pleite vorgezogen (siehe "Kopflos in den konkurs"). Die Vermutung liegt daher nahe, dass Schäuble und seine neuen AAA-Freunde aus Den Haag und Helsinki Griechenland bei nächster Gelegenheit fallen lassen werden - rette sich, wer kann!

     

    Siehe auch meinen Kommentar: "Wir retten die Falschen"


     

     


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    Tags » Griechenland Bailout Linkliste Troika CAC
    • 21 February 2012
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    Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel - zunächst für das "Handelsblatt", dann als freier Journalist. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen. Ich war dabei, als der Euro aus der Taufe gehoben wurde und als Frankreich den Fußball-Weltmeister-Titel holte - quelle aventure!

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