Lost in EUrope

Der EU-Blog aus Brüssel

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    Kein Bild aus Spanien (27.9.12)

    Während die Krise in Spanien eskaliert und es zu blutigen Zusammenstößen vor dem Parlament kommt, geht die ARD auf Tauchstation. Wer auf Fernsehberichte oder gar Kommentare aus dem ZDF-Studio in Madrid gewartet hatte, wurde enttäuscht. Weit bessere Informationen bekam man im Internet, wie Carta zu Recht bemerkt. Wird den Öffentlich-Rechtlichen die Krise zu teuer – oder interessieren sie sich nur für Griechenland?

    "Die ganze Welt will unser Geld" (27.6.12)

    Der deutsche Journalismus ist in der Euro-Krise, das glaubt auch der österreichische Blogger R. Misik. Er hat einen schönen Beitrag über die voreingenommene Berichterstattung selbst öffentlich-rechtlicher Medien über Griechenland und den Common Sense als höchste Form der Ideologie geschrieben - absolut lesenswert! 

    Deutsche Besserwisser (21.6.12)

    Die weltweite Kritik an Merkels Euro-Krisenmanagement bleibt nicht ohne Wirkung auf die deutschen Medien. Statt die Kritik sachlich wiederzugeben, wie es ihre Aufgabe wäre, teilen viele Redaktionen lieber selbst aus - und geben den deutschen Besserwisser. So mischte sich die FTD mit einem Kommentar in den griechischen Wahlkampf ein und empfahl die konservative Neo Demokratia. Das Handelsblatt geht noch weiter und watscht US-Präsident Obama ab. "Amerika braucht den Wechsel", kommentiert G. Steingart - dabei wäre er in Deutschland mindestens ebenso nötig. Aber das schreibt man lieber nicht...

    Was heißt hier geheim? (4.6.12)

    Die Welt am Sonntag macht mit einem angeblichen "Geheimplan" für ein neues Europa Furore. Angeblich basteln die EU-Politiker still und heimlich an einer neuen Architektur und an einer Spaltung Europas. Dabei wurde alle angeblich geheimen Pläne letzte Woche öffentlich in Brüssel vorgestellt. Auch ich habe über einzelne Aspekte wie die Bankenunion berichtet. Doch die deutschen Medien haben geschlafen, und Kanzlerin Merkel hat keine Lust, über die Vorschläge aus Brüssel zu reden. Da genügt ein kleiner Spin, und fertig ist die "Enthüllungs"-Story.

    Die letzte Sparerin (8.5.12)

    Nach der Wahl der neuen französischen Präsidenten ist in den deutschen Medien die Sparangst ausgebrochen. Hollande sei gegen den deutschen Sparkurs, Merkel sei "Europas letzte Sparerin", meldet z.B. die "Welt". Dabei ist dies völliger Unsinn. Deutschland nimmt trotz Wirtschaftsboom weiter neue Schulden auf; das letzte Sparprogramm ist Jahre her und war ein Flopp. Demgegenüber hat Spanien gerade erst 10 Mrd. Euro eingespart; auch Belgien und Holland haben massiv gekürzt. Doch "Welt" und Co, informieren nicht, sie machen Stimmung.

    Ein merkwürdiger Boykott (4.5.12)

    "EU-Kommission boykottiert EM in der Ukraine", melden unisono die deutschen Medien, von SPON bis FAZ. Der Witz ist nur, dass die 27 Kommissare ohnehin nie die Absicht hatten, nach Kiew zu reisen. Bestenfalls wären Behördenchef Barroso und ein oder zwei Kommissare gefahren. Von einem Boykott "der" Kommission" oder "der EU" kann also keine Rede sein, eher von einem politischen motivierten Signal einer offensichtlich verwirrten Behörde, die zuvor noch ein Assoziierungs-Abkommen mit der Ukraine ausgehandelt und empfohlen hatte...

    Arroganz und Verständnis (23.4.12)

    Die Kommentare der deutschen Wirtschaftspresse zur Frankreich-Wahl könnten unterschiedlicher nicht sein: Während das "Handelsblatt" mit neudeutscher Arroganz auf den Wahlsieger Hollande blickt ("Wehe dem Sieger!") und ihm sein "Mitleid" für Frankreichs Probleme ausspricht, übt sich die FTD in Verständnis: "Mit seiner ganzen Zurückhaltung und Unverbindlichkeit könnte Hollande besser als seine Vorgänger geeignet sein, die pragmatische Reformpolitik umzusetzen, die das Land braucht, um Schuldenkrise und Wirtschaftsmisere zu entkommen."  

    ZDF übertreibt Gewalt in Brüssel (16.4.12)

    Brüssel sei gefährlicher als Frankfurt, meldete das ZDF, nachdem ein Mitarbeiter des Nahverkehrsbetriebs STIB nach einem Verkehrsunfall zusammengeschlagen und tödlich verletzt worden war. Doch die Meldung beruhte auf falschen Zahlen, widerspricht ein flämischer Soziologe. In Wahrheit sei die Kriminalitätsrate seit 2009 in der EU-Hauptstadt gefallen, Frankfurt sei ein heißeres Pflaster als Brüssel.

    SPON fordert "Gefolgschaft" (13.3.12)

    SPD und Grüne machen die Finanztransaktionssteuer zur Bedingung, um Merkels so genanntem Fiskalpakt zuzustimmen. Doch acht Euroländer stemmen sich gegen die Finanzsteuer. Und was macht "Spiegel online" daraus? "Acht Euro-Länder verweigern Merkel die Gefolgschaft." Das stellt die Fakten auf den Kopf, verrät aber viel über die "Denke" bei SPON - Europa spricht Merkel, oder was?

    Greek Headline Reality Check (20.2.12)

    In diesem wichtigen Beitrag nimmt zerohedge die Headlines zur Griechenland-Krise auseinander. Er mokiert sich völlig zu Recht über die immer wieder beschworene "Rettung", die keine ist, und den "Bailout Griechenlands", der in Wahrheit nur den Gläubigern zugute kommt. Leider ist die deutsche Presse keinen Deut besser...

    Das Gesetz der Troika (11.2.12)

    Die Troika hat gesprochen und Griechenland einen neuen Sparplan aufoktroyiert. Doch niemand fragt, wie der Troika-Plan überhaupt zustande kam, was aus den letzten Vorgaben der internationalen Aufseher wurde und wie das neue Diktat zu bewerten ist. Dabei war der Plan vor seiner Veröffentlichung durchaus umstritten, wie das Wall Street Journal meldet, es gab Streit zwischen dem IWF und Berlin. Doch die deutschen Medien gehen darauf nicht ein, Recherche Fehlanzeige!

    Keine Fragen an Merkel (31.1.12)

    Die Kanzlerin setzt ihren Fiskalpakt durch - doch die Medien stellen keine kritischen Fragen. Sie melden weder, dass der IWF ausdrücklich vor einer Einheits-Sparbremse für ganz Europa gewarnt hat. Noch fragen sie nach, was der Fiskalpakt eigentlich für die EU-Staaten bedeutet. Einzig löbliche Ausnahme: Spiegel online meldet, dass Merkels Pakt Europa zu einem "Kontinent der Schuldensünder" macht - denn bisher erfüllt nicht einmal Deutschland die strikten Vorgaben.

    Falsche Fragen zu Wulff (5.1.12)

    Die mediale Beschäftigung mit der Wulff-Affäre nimmt absurde Ausmaße an. Vor allem aber stellen die Medien die falschen Fragen. Statt um seine persönlichen Hauskredite sollte es um den Kredit gehen, den Deutschland in Europa hat (und zu verspielen droht). Und statt um Wullfs Anrufe bei der "Bild" sollte es um die Frage gehen, wieso das Boulevardblatt offenbar mächtiger geworden ist als der Bundespräsident. Europa blickt auf Berlin - und wundert sich! Mehr dazu auf BlickLog.

    Sündenbock Cameron (12.12.11)

    Er hat die Medienschelte ja verdient, der britische Premier Cameron. Beim EU-Gipfel in Brüssel hat er sich völlig unnötig ins Abseits manövriert. Allerdings galt sein "Nein" nicht - wie fast alle deutsche Medien berichten - der so genannten "Euro-Rettung", also Merkels neuer Sparunion, sondern einer Änderung des EU-Vertrags. Cameron wollte die Vertragsänderung nur schlucken, wenn er Sonderrechte für die City of London herausschlagen kann - und hat sich verzockt.  

    Wagenburg-Mentalität (24.11.11)

    Die deutschen Medien nehmen es EU-Kommisionchef Barroso übel, dass er es wagte, über Eurobonds zu sprechen. Obwohl Barroso nur ein Machbarkeitsstudie vorlegte und noch keinen Gesetzesvorschlag, spricht die "Süddeutsche" von einer "Provokation". Angeblich habe Barroso Kanzlerin Merkel brüskiert. Offenbar macht sich in Deutschland eine Wagenburgmentalität breit... 

    Jetzt ist es "unser" Geld (23.11.11)

    Die "Bild"-Zeitung tut sich mal wieder mit demogagischer Berichterstattung hervor. "Alle wollen unser Geld", heißt die neueste Schlagzeile - ein Schlag ins Gesicht für Franzosen, Italiener, Spanier etc., denen der Euro genauso "gehört" wie den Deutschen. Wäre nett, wenn die Pressestelle der EZB das malklarstellen und der deutsche Presserat eine Rüge aussprechen könnte!

    Putschisten in Cannes (4.11.11)

    Die europäische Presse geht ungewohnt hart ins Gericht mit Merkel und Sarkozy, die in Cannes einen Zweier-sonder-Euro-Gipfel ohne die übrigen 15 Mitglieder der Eurozone abgehalten haben. Von "Putschisten" spricht der belgische "Soir", mit "kleinen Hunden", die vor den Märkten kuschen, vergleicht sie der "Morgen". Ein guter Überblick über das böse Medien-Echo findet sich hier.

    Demokratie ist Ramsch (2.11.11)

    Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet in der sonst nicht sehr Griechen-freundlichen FAZ kann man heute den besten Kommentar zum Euro-Referendum in Athern lesen. Natürlich wieder von F. Schirrmacher, der als gestandener Konservativer immer kritischer wird - denn alle Werte, auf der die Demokratie in Europa beruhen, werden durch die Finanz- und Schuldenkrise ad absurdum geführt...

    Deutsche Schizophrenie (31.10.11)

    Fast alle deutschen Zeitungen preisen im Politik-Teil Merkels Erfolg beim Euro-Gipfel, kritisieren aber auf den Wirtschaftsseiten die Ergebnisse. Fast niemandem fällt ein, dass die mickerigen Ergebnisse genau jene sind, die Merkel durchgesetzt hat - gegen Alternativ-Vorschläge aus Paris, Brüssel, rom etc. Kaum jemand wagt auch, zu kritisieren, dass sie es war, die den Banken 10 Mrd. Euro in den Rachen warf, damit sie den Schuldenschnitt in Athen akzeptieren...

    Wenn ich ein Grieche wäre... (28.10.11)

    ...würde ich den Leitartikel von G. Steingart im Handelsblatt mit Vergnügen lesen. Denn der HB-Chef spricht aus, was in Berlin und Brüssel wenige wagen: Die Euro-"Rettung" hat in Athen zu einer Verschärfung der Krise geführt - wie in diesem Blog seit langem beschrieben. Schade nur, dass das Handelsblatt so spät zu dieser Einsicht kommt (siehe auch mein Eintrag vom 22.8. auf dieser Seite). 

    BILD Dir Dein Europa!? (30.8.11)

    Nach der hämischen Kampagne gegen Griechenland zieht die "Bild" nun gegen Brüssel zu Felde. Niemand wolle die "Vereinigten Staaten von Europa", behauptet N. Blome, denn das bedeute ja mehr Macht für die EU-Kommission. Woher weiß der Mann das? Hat der Frau Von der Leyen gefragt, die neuerdings die Euro-Föderalistin gibt? Oder bedient er wieder nur seine eigenen Vorurteile? 

    Wo ist die Schatzkammer der deutschen Steuerzahler? (22.8.11)

    In einem Leitartikel über die Eurokrise gibt Handelsblatt-Chefredakteur Steingart den Euro-Nationalisten. Nachdem er vor einem Jahr die "Vereinigten Staaten von Europa" ausgerufen und später ein "neues Versailles" ausgemacht hatte, präsentiert er sich nun als Patriot: Die Bundesregierung müsse den Zutritt zur "Schatzkammer der deutschen Steuerzahler" verweigern und Eurobonds verhindern, schreibt GST. Bleibt die Frage: Wo ist diese Schatzkammer? Wer hat dort Zutritt? Sachdienliche Hinweise bitte an diesen Blog ;-) 

    Böse Gerüchte über Frankreich (10.8.11)

    Mitten im schlimmsten Börsencrash seit 2008 geben FTD, Handelsblatt & Co. ungeprüfte und durch nichts belegte Gerüchte weiter, die drei großen US-Ratingagenturen könnten Frankreich das Triple A-Rating aberkennen. Dass alle Parteien dementieren, nützt nichts, das Gerücht wird fleissig weiterverbreitet und verunsichert die Märkte. Dabei spielt es nur jenen in die Hände, die das Scheitern der Währungsunion betreiben (siehe mein Blog vom 28.7.11) 

    Wem gehört die EZB? (9.8.11)

    Nun macht auch Tom Buhrow in den "Tagesthemen" auf Euro-Nationalismus. Gestern abend präsentierte er die EZB-Intervention zugunsten Italiens und Spaniens so, als werde dort das Geld deutscher Steuerzahler verplempert. Dass es um Stützungskäufe ging, um die Märkte zu beruhigen, und dass Deutschland nicht allein an der EZB beteiligt ist, sondern nur ein (wenn auch größter) Minderheits-Eigner, ging unter. Wann erklärt endlich mal jemand, dass die EZB kein deutsches Eigentum ist - und der Euro keine europäische DM?

    Schwule toppen die Euro-Krise (3.-5.8.11)

    Während die Euro-Krise einen neuen Höhepunkt erreicht, macht das Handelsblatt mit einer völlig zeitlosen Sommerloch-Story über Schwulenförderung in deutschen Firmen auf ("Deutschlands Wirtschaft soll rosa werden"). Thema Nr. 2 sind die Fluglotsen, von denen man bereits am Vorabend in der Tagesschau gehört hatte. Noch krasser die Ausgabe vom 5.8.: Nach dem "Schwarzen Donnerstag" an den Börsen stellen sich die Düsseldorfer die weltbewegende Frage: "Wem gehört die Tiefsee?"  Wer über die wichtigen Wirtschaftsthemen informiert werden will, sollte lieber zu anderen Blättern greifen...

    Jubel in Berlin, Skepsis in Athen (24.7.11)

    Die Ergebnisse des Euro-Krisengipfels zu Griechenland sind in Deutschland und Griechenland völlig unterschiedlich aufgeommen worden. Während die "Süddeutsche von einem "Triumph über die Egoisten" sprach und Merkels x-te Wendung beklatschte, gaben sich die griechischen Medien skeptisch. Der Gipfel sei zwar ein Wendepunkt für die Eurozone, habe aber "nicht genug" für Griechenland gebracht, schreibt zum Beispiel Kathimerini. Merkwürdig nur, dass es ja laut Merkel einzig und allein um die "Rettung" Griechenlands ging...


     

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    Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel - zunächst für das "Handelsblatt", dann als freier Journalist. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen. Ich war dabei, als der Euro aus der Taufe gehoben wurde und als Frankreich den Fußball-Weltmeister-Titel holte - quelle aventure!

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