Lost in EUrope

Der EU-Blog aus Brüssel

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    pACTA sunt servanda...

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    Erst zustimmen, dann prüfen - das war kein guter Handel

    Nun landet das umstrittene ACTA-Abkommen also doch vor Gericht. EU-Handelskommissar De Gucht kündigte an, dass er den Text dem Europäischen Gerichtshof vorlegen wird. Das war zwar erwartet worden - offenbar will die Brüsseler Behörde angesichts der massiven Proteste Zeit gewinnen und das Gesicht wahren, wie der Blog Netzpolitik argwöhnt. Die Begründung überrascht dann aber doch: sie wirkt wie ein Offenbarungseid.

    Die EU-Kommission ist nicht nur die Behörde, die die EU-Gesetze auf den Weg bringt. Sie ist auch Hüterin der EU-Verträge. Normalerweise überwacht sie sogar, ob die 27 EU-Staaten die Verträge einhalten. Das macht sie oft mit eiserner Härte, wie das knallharte Vorgehen gegen den "Schuldensünder" Ungarn zeigt. Weil Budapest angeblich beim Defizit mogelt, will die Kommission EU-Mittel für Ungarn zurückhalten.

    Doch nun ist die so mächtige und selbstherrliche Behörde offenbar selbst vertragsbrüchig geworden. Wie anders soll man es sich erklären, dass sie das umstrittene Urheberrechtsabkommen erst hinter verschlossenen Türen aushandelt, dann den EU-Staaten zur Ratifizierung vorlegt - und erst danach die Rechtmäßigkeit prüfen lässt? So stellt es jedenfalls Handelskommissar De Gucht dar:

    We are planning to ask Europe’s highest court to assess whether ACTA is incompatible - in any way - with the EU's fundamental rights and freedoms, such as freedom of expression and information or data protection and the right to property in case of intellectual property.

    As you are no doubt aware, within the EU institutional process, the European Commission has already passed ACTA to national governments for ratification. The Council has adopted ACTA unanimously in December and authorised Member States to sign it. The Commission has also passed on ACTA to the European Parliament for debate and a future vote.

    That said, I believe the European Commission has a responsibility to provide our parliamentary representatives and the public at large with the most detailed and accurate information available. So, a referral will allow for Europe’s top court to independently clarify the legality of this agreement.

    Das ist schon ein starkes Stück. Da hat Brüssel also die Mitgliedstaaten "autorisiert", ACTA zu ratifizieren - und nun "autorisiert" man sich selbst, nachträglich den Rat der höchsten europäischen Richter einzuholen. Eine vertrauensbildende Maßnahme ist das gewiß nicht, auch wenn es so dargestellt wird.

    Denn wenn die Staaten das Abkommen ratifizeren, müssen sie es auch einhalten - pACTA sunt servanda. Doch nun könnte sich - wohlgemerkt hinterher - herausstellen, dass ACTA gar nicht mit dem EU-Recht vereinbar ist. Die EU-Länder, die sich auf das Verfahren eingelassen haben, stehen also wie begossene Pudel da. Sie hatten sich auf die Auskunft der Kommission verlassen, alles sei juristisch wasserdicht, und müssen nun auf den EuGH in Luxemburg warten.

    Was soll man da erst von Verträgen halten, an denen der juristische Dienst der EU-Kommission schon vor der Ratifizierung zweifelt - etwa den berühmt-berüchtigten Fiskalpakt für die Eurozone? Wandert der jetzt auch vor den EuGH? Schön wär's! Doch da hat, anders als bei ACTA, Deutschland den Hut auf, und für deutsche Initiativen gelten ja seit einiger Zeit ganz besondere Regeln...

     

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    Tags » ACTA Fiskalpakt EU-Kommission De Gucht Ungarn Härte Deutschland
    • 23 February 2012
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    Seit 2004 verfolge ich Höhen und Tiefen der Europapolitik aus Brüssel - zunächst für das "Handelsblatt", dann als freier Journalist. Zuvor war ich als Reporter in Paris und lernte die französische Sicht auf Europa und die Welt kennen. Ich war dabei, als der Euro aus der Taufe gehoben wurde und als Frankreich den Fußball-Weltmeister-Titel holte - quelle aventure!

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