Auf dem Papier geht es aufwärts - Bloomberg-Grafik zur Italien-Krise
Nun ist passiert, was nie passieren durfte: Italien versinkt in der Krise, die Rendite für italienische Staatsanleihen steigt über den kritischen Wert von sieben Prozent. Bei diesem Wert wird die Refinanzierung der Staatschulden untragbar teuer; Griechenland, Irland und Portugal mussten sich in dieser Lage unter den Euro-Rettungsschirm flüchten. Doch der ist nicht einsatzbereit...
Die Freude über Berlusconis Abgang währte nicht lange. Nach einem kurzen Freudensprung an den Börsen setzten die Märkte heute ihre Attacken gegen Italien und den Euro fort. Wenn die so genannten Euro-Retter geglaubt hatten, mit einem „Bauernopfer Berlusconi“ die Lage zu entspannen, haben sie sich gründlich getäuscht. Nun haben die Märkte endgültig das Ruder übernommen - die Politik hat sich mit ihrem miserablen Krisenmanagement selbst ausgebootet.
Vermutlich dürfte das Massaker jetzt erst richtig losgehen, wie ich ja schon gestern in meinem Blog angedeutet habe. Zwar ist noch nicht gesagt, dass Italien tatsächlich den „point of no return“ erreicht hat. Die hohen Risikoprämien beziehen sich ja nur auf neue Anleihen; nicht auf den Berg alter Staatsschulden, wie Egghat zu Recht einwendet. Eine Zeitlang wird es also noch ohne fremde Hilfe weitergehen.
Doch allein schon, dass es so weit kommen konnte, ist ein Waterloo für die Euro-Retter. Schließlich hatten die letzten Euro-Krisengipfel im Juli und im Oktober kein anderes Ziel, als die so genannte „Ansteckung“ Italiens und Spaniens zu verhindern. Der Rettungsschirm EFSF sollte massiv aufgestockt werden, damit er Staatsanleihen aufkaufen kann, um spekulative Attacken und untragbare Renditen ein für allemal zu verhindern.
Doch alle Versuche, den EFSF zu “hebeln“, sind bisher kläglich gescheitert. China zeigte zwar grundsätzlich Interesse, gab jedoch ebenso wenig Zusagen wie die G-20 bei ihrem Treffen in Cannes. Einige Schwellenländer wie Brasilien ließen die Europäer sogar ganz abblitzen. Zudem hat EFSF-Chef Regling zunehmend Probleme, frisches Geld einzusammeln, wie die "Welt" meldet. enn das so weiter geht, muss der Rettungsschirm am Ende selbst noch gerettet werden...
Letztlich dürfte nur noch eines helfen: Die Europäische Zentralbank muss entweder selbst massiv eingreifen und italienische Anleihen kaufen - oder zum „lender of last resort“ für den EFSF werden. Genau das fordern die USA, Großbritannien und Frankreich schon seit Wochen. Beim letzten Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel kam das Thema wieder hoch, meldet der Guardian.
Nur Deutschland macht nicht mit. Merkel hat die EZB-Lösung immer wieder abgeschmettert und bleibt weiter hart. Statt dessen fordert sie nun eine Änderung der EU-Verträge, um aus der Eurozone eine „Stabilitätsunion“ zu machen. Doch das dürfte Jahre dauern - so viel Zeit hat Italien bestimmt nicht mehr...
kostenloser Counter
