Duell der Damen - wenn beide hart bleiben, platzt der Griechenland-Deal
Für Deutschland ist nach dem zweiten Hilfsplan für Griechenland Schluß: Mehr Geld für die Euro-Rettung soll es nicht geben, auch nicht für den neuen Rettungsschirm ESM. Schließlich habe sich die Situation an den Märkten entspannt, so der Sprecher von Kanzlerin Merkel heute in Berlin. Ein gefährlicher Irrtum: Die nächsten Wochen und Monate werden noch einmal riskant, nicht nur für Griechenland.
"Die Haltung ist Nein." Das sagte Merkel-Sprecher Seibert auf die Frage nach einer Aufstockung des ESM, die beim nächsten Eurozonen-Sondergipfel Anfang März auf dem Programm steht. Auf den ersten Blick scheint dies nur logisch, schließlich hat man gerade 130 Mrd. Euro für Griechenland bewilligt, die Spreads für Italien und Spanien fallen. Fast könnte man meinen, die Euro-Krise sei nun weitgehend gelöst, die kostspieligen und unpopulären Rettungsaktionen wären beendet.
Doch "Madame Non" spielt mit dem Feuer. Ihr Nein wird nicht nur die EZB und den IWF ärgern, die eine Aufstockung des ESM fordern. IWF-Chefin Lagarde macht davon sogar ihre Beteiligung an der Stützung Griechenlands abhängig. Sollten beide Damen hart bleiben, könnte der IWF nur ein paar Milliarden statt des bisher üblichen Drittels beisteuern - dann müssten Deutschland und die anderen Eurostaaten nachlegen, und der gerade erst geschlossene Griechenland-Deal wäre geplatzt.
Merkel legt sich auch mit ihrem Liebling Monti an, dem italienischen Technokraten-Premier, der angeblich alles richtig macht (ganz im Gegensatz zu den Griechen). Monti fordert seit Wochen, den ESM aufzustocken - nicht etwa, um mit dem Geld später Italien zu stützen, sondern ganz im Gegenteil, um die Brandmauer so hoch zu ziehen, dass sie potentielle Angreifer abschreckt.
Die Kanzlerin hingegen fordert Spekulanten und PIGS-Gegner geradezu heraus. Risikoanleger und Hedgefonds dürften nun nicht nur testen, ob sie die Umschuldung in Griechenland doch noch kippen können. Sie dürften sich auch auf Portugal, das zweite Glied in der Kette der angeblich "geretteten" Krisenstaaten, einschießen. Außerdem könnten sie versuchen, Frankreich zu attackieren - die Präsidentschaftswahl Ende April bietet genügend Angriffsfläche.
Die nächsten Wochen werden also noch einmal kritisch. Doch selbst wenn im Frühjahr alles glatt geht, dürfte es spätestens im Herbst neue Probleme geben. Dann wird sich zeigen, dass die Stützung Griechenlands auf Sand gebaut war. Viele Experten glauben, dass die Eurogruppe ohnehin nur "den Weg für einen stillen Exit" aus der Währungsunion geebnet hat - schon im September könnte es so weit sein. Schließlich gehen die Zahlen schon heute aus dem Ruder...
Offenbar kümmert die Kanzlerin all dies nicht. Wie ich schon vor Wochen in diesem Blog schrieb, hält sie aus innenpolitischen Gründen stur daran fest, keinen Cent mehr für die Euro-Rettung auszugeben - selbst, wenn halb Europa zugrunde geht. Außerdem hat sie sich - entgegen allen öffentlichen Bekundungen - längst von Frankreich und Präsident Sarkozy gelöst. Im neuen "Triple A"-Club von Standard & Poor's Gnaden fühlt sie sich offenbar viel wohler...
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