Angela I. hält Hof in der "Waschmaschine"
Kanzlerin Merkel zieht in der Eurokrise immer mehr Entscheidungen an sich - und nach Berlin. Am Sonntag empfängt sie im Kanzleramt IWF-Chefin Lagarde, am Montag die EU-Präsidenten Barroso und Van Rompuy. Außerdem hält sie neuerdings Hof in Schloß Meseberg - zuletzt mit den Chefs aus Portugal, Schweden und Österreich. Weitere Treffen sind geplant, u.a. mit Spaniern und Belgiern - wird Berlin zur neuen EU-Kapitale?
Komisch, dass die Mainstream-Medien noch nicht darauf gekommen sind. Da jagt ein Treffen das andere - und niemand fragt, wozu die EU-Runden eigentlich gut sind und warum sie ausgerechnet in Berlin bzw. Brandenburg stattfinden müssen. Nicht einmal die Frage, warum die Meetings als informell deklariert werden und die Ergebnisse vertraulich bleiben, kommt den sonst so kritischen Berliner Journalisten über die Lippen.
Königin Angela I. hält Hof, und alle europäischen Untertanen geben sich die Ehre, könnte man den Besucherreigen ironisch kommentieren. Wenn es nicht so ernst wäre. Denn es ist ja offensichtlich, dass es an die Substanz geht. Schließlich ist 2012 das Schicksalsjahr für den Euro, und kurz vor dem EU-Sondergipfel Ende Januar in Brüssel stehen wieder einmal wichtige Entscheidungen an.
Merkel möchte nicht nur ihren so genannten Fiskalpakt durchdrücken, den das Europaparlament schlicht für überflüssig hält (der letzte, vierte Entwurf findet sich hier). Es geht auch um die drohende Pleite in Griechenland, um die plötzlich wieder umstrittene Finanzierung des neuen Euro-Rettungsmechanismus ESM - und um die Forderung, Deutschland müsse endlich mehr zur Euro-Rettung tun.
Nicht nur Italiens Premier Monti hat mehr Hilfe aus Berlin gefordert. Auch Währungskommissar Rehn spricht sich in einem Interview mit der SZ für eine Aufstockung des ESM oder für die Einführung von Eurobonds aus.
Merkel steht also massiv unter Druck. Wenn Europa schon deutsch sprechen muss, dann soll Deutschland auch Europa helfen, so die Forderung ihrer Gäste. Würde sie geschlossen (und entschlossen) vorgetragen, käme es gar zu einer Abstimmung, könnten der Kanzlerin ganz schnell die Felle davonschwimmen. Denn die EU-Partner "sind ziemlich angepisst von Deutschland", wie es Ex-Außenminister Fischer recht undiplomatisch auf Cicero online ausdrückte.
Daheim im Kanzleramt hingegen, oder draußen auf Schloß Meseberg, lassen sich die Wünsche viel besser kanalisieren, um nicht zu sagen kleinreden. Dort lässt sich auch die Öffentlichkeit besser manipulieren und so tun, als sei alles in bester Ordnung. Vielleicht ist das ja der große Vorzug der heimlichen neuen EU-Hauptstadt Berlin?
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