Da braut sich was zusammen, doch Merkel schaut lieber weg
War dies das Todesurteil für die Eurozone? Gleich zwei führende Regierungspolitiker, Finanzminister Schäuble und CDU-Finanzexperte Meister, haben neue Hilfen an krisengeschüttelte Euro-Länder kategorisch ausgeschlossen. Keine EZB-Stützung, keine Eurobonds - damit ist Euroland hilflos den immer heftigeren Attacken der Märkte ausgeliefert. Vermutlich gibt es nun kein Halten mehr, Europa droht schon bald der Offenbarungseid.
„Wir haben keine neue Bazooka in der Tasche“, sagte Meister, zur aktuellen Politik der Sparpläne und Strukturreformen gebe es keine Alternative. Ähnlich äußerte sich Schäuble, der Stützungskäufe durch die EZB erneut strikt ablehnte. Zuvor hatte Regierungssprecher Seibert bereits die Schaffung von Eurobonds ausgeschlossen. Morgen, wenn die die EU-Kommission ihre Pläne für die so genannten „Stabilitätsanleihen“ präsentiert (siehe mein Blogeintrag gestern), will Kanzlerin Merkel ihr Nein bekräftigen.
Damit schlägt die Bundesregierung den Euro-Rettern praktisch die letzten Waffen aus der Hand. EZB-Stützungskäufe und Eurobonds sind nach dem Scheitern des „Finanzhebels“ für den Rettungsschirm EFSF und dem Durchbrennen aller „Sicherungen“ in der Eurozone die letzten Instrumente, die die Märkte noch beeindrucken könnten. Werden auch sie ausgeschlossen, droht dem seit Wochen angeschlagenen Eurosystem endgültig die Kernschmelze.
Bereits Anfang 2012 könnte ein „perfekter Sturm“ die Eurozone heimsuchen, heißt es auf dem Blog „Mish‘s Global Economic Trend Analysis“. Auch in Brüssel wird über einen möglichen Zusammenbruch "zwischen den Jahren" oder im Januar 2012 spekuliert. Neue Nahrung bekamen die Untergangs-Propheten heute aus Spanien: Dort musste die Regierung für eine kurzlaufende Anleihe 5,1 Prozent Zinsen zahlen. Dieser katastrophal hohe Preis könne „wirklich die letzten Tage des Euro“ einläuten, heißt es sogar beim seriösen FT-Alphaville-Blog.
Nicht nur in Spanien ist die Lage hoffnungslos. Auch in Griechenland spitzt sich die Krise erneut zu; der neue „Technokrat“ Papademos warnte, in wenigen Tagen gehe seiner Regierung das Geld aus (den Geldhahn hatte niemand anders als Merkel zugedreht). Als neuer Abschusskandidat kam heute Belgien hinzu, nachdem die Regierungsbildung in Brüssel erneut gescheitert ist. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der amerikanische EU-Botschafter die Geduld verliert - er forderte die EU und die EZB ultimativ auf, endlich zu handeln.
Doch aus Berlin kommt nur die Forderung, die EU-Verträge zu ändern - um den ruinösen Sparkurs in der Eurozone noch einmal zu verschärfen. Merkel und ihre Regierung haben den Ernst der Lage offenbar nicht begriffen - oder sie wollen sie nicht verstehen...
P.S. Die Ereignisse überschlagen sich, die Märkte spielen bereits das Auseinanderbrechen der Eurozone durch, dazu mehr hier Insider gehen nun schon davon aus, dass die Krise bereits Anfang Dezember eskalieren könnte, dazu mehr hier.
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